Job-Shadowing am Forstbetrieb St. Martin

Saalforste – Bayerns Wälder in Österreich

Von Bayern „ganz oben“ ging es nach Bayern „ganz unten“ bzw. über die Landesgrenze hinweg nach Österreich. Hier befinden sich die Saalforsten und das Revier Unken 1, welches vom Revierleiter Simon Richter betreut wird. Im Rahmen eines Job-Shadowing des Erasmus+-Programms der FOSBOS Hof besuchte Frau Rummel den Forstbetrieb St. Martin in Österreich, zu welchem das Revier Unken 1 gehört. An diesem besonderen Standort bewirtschaften die Bayerischen Staatsforsten Wälder in Österreich. In der sogenannten Salinenkonvention zwischen Bayern und Österreich von 1829 sind diese grenzübergreifenden Beziehungen geregelt. Dieser sehr alte, aber heute noch gültige Staatsvertrag betrifft den Salzabbau für Österreich auf bayerischem Gebiet und die Holzgewinnung für Bayern im österreichischen Pinzgau.

Das vielfältige Programm des Job-Shadowing reichte vom Kennenlernen des Betriebs bzw. der Besonderheiten des Standorts über einen Einblick aus erster Hand in die täglichen Arbeiten eines Revierleiters und der Waldarbeiter. Das Revier Unken 1 liegt teilweise auf 1300m Höhe und ist somit ein typischer Standort für teilweise jahrhundertealte Fichten im „alpinen” Gewand, sprich teils mit einer vollastigen Krone bis zum Boden. Besucht wurden unter anderen Flächen, an denen nach einem sogenannten Femelhieb Tannen gepflanzt wurden, welche sich nun erfreulich entwickeln. Die Einbringung von u.A. Tannen stellt eine wichtige Maßnahme zur Baumartenmischungen in Bezug auf den Klimawandel dar.

Da Auerwild vorkommt, werden teilweise auf Flächen, an denen ein frischer Hieb stattgefunden hat, die übrigen Äste und Zweige zu Totholzhaufen aufgeschichtet, was eine wertvolle Maßnahme für das Auerwild darstellt. Auf zusätzlichen Arealen werden ergänzende Naturschutzmaßnahmen umgesetzt. So entstanden unter anderem Feuchtbiotope und Blühflächen, die heimischen Tier- und Pflanzenarten einen wichtigen Lebensraum bieten. Die Blühflächen sind Teil des Projekts „der Wald blüht auf”, bei dem regionales Saatgut mit einheimischem Wildpflanzenarten ausgebracht wird.

Zum Waldbau gehört auch Jagd bzw. Wildtiermanagement. So wurden im Rahmen des Job-Shadowing auch Rückzugsorte sowie Futterstellen für Rotwild im Winter angeschaut. Die Jagdeinrichtungen werden teils von den Waldarbeitern gebaut und müssen gerade für den Schnee im Winter und die besonderen Standortvoraussetzungen robust gestaltet sein. Eine weitere Folge der Berg- und Hanglage betrifft auch die Arbeit mit den Maschinen sowie die Arbeitssicherheit. Typische Harvester sind aufgrund der Standortbesonderheiten somit eher selten im Einsatz. Häufig wird mit Seilbringungen gearbeitet und die Holzernte erfolgt teils motormanuell mit Schlepperbringung.

Eine wichtige Arbeit ist zurzeit unter anderem die Käfersuche. Waldarbeiter sind unterwegs und überprüfen die Bäume auf Käferbefall. Positiv ist allerdings, dass es derzeit relativ wenig Kalamitäten durch Borkenkäfer im Revier Unken 1 gibt. Hier fällt der Vergleich mit dem heimischen Frankenwald teilweise leider nicht ganz so positiv aus und ein weiterer Unterschied betrifft die Hanglage: Wenn es im Frankenwald auch ein teils „bergiges” Relief gibt, handelt es sich im Bergwald um ganze andere Steigungen, sodass man sich nach so einem Tag im Wald dann doch auf die gemütliche Hütte freut.

So nehmen drei interessante Tage ihr Ende und die FOSBOS Hof darf außerdem gespannt sein, ob und wann die nächsten Mitglieder der Schulfamilie eine Reise nach Unken in Österreich antreten. Ein großes Dankeschön an Revierleiter Simon Richter, dass er diesen Besuch ermöglicht hat.

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